Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein persönlicher Rückblick in 26 Buchstaben

 

Von Michael van de Loo

Anfang

50 Jahre Elektro van de Loo? Kann das sein? Erst konnte ich es nicht glauben, dann fiel mir aber ein, dass ich ja selbst auch schon 51 Jahre alt bin und seit frühester Kindheit zwischen Kabeln, Werkzeug und fehlender Schalterwippen im Wohnbereich (die brauchte man immer für einen Kunden) aufgewachsen bin. An einigen meiner persönlichen Erinnerungen möchte ich Sie heute gerne teilhaben lassen, da diese auch Bestandteil der Firmengeschichte sind.

Historische Aufnahmen:

Büroklima – wie das Wetter, so die Stimmung

Meine Mutter arbeitete im Büro, mein Vater „draußen“. Alles eheverträglich und nach Fähigkeiten aufgeteilt. Manchmal, bei Frost oder Regen kam es aber vor, dass mein Vater morgens bedeutungsschwer verkündete „Christa, heute bleibe ich zu Hause und wir schreiben zusammen Rechnungen“. Eine Aussage wie Donnerhall, zu vergleichen vielleicht nur mit Ankündigungen von Donald Trump. Das Gesicht meiner Mutter nahm dann regelmäßig auch prompt die Farbe der (sehr) weiß gestrichenen Wand an und die Raumtemperatur sank um gefühlte 15 Grad. Für mich war das ein Signal, auf jeden Fall „nach draußen“ zu gehen.  

Am Ende des Tages waren beide Eltern nicht wirklich zufrieden mit dem gemeinsamen Tagewerk. Mir war klar, kein Tag um ein schulisches Fehlverhalten zu erwähnen oder gar eine Taschengelderhöhung zu thematisieren. An solchen Abenden schaute die ganze Familie gebannt auf die Wettervorhersage für den folgenden Tag.

Computer oder „die graue Kiste“

Im Jahre 1989 war es dann soweit. Nicht nur die Mauer fiel, sondern (ähnlich revolutionär) auch die alte Olympia-Schreibmaschine meiner Mutter wurde (zunächst ansatzweise, denn „man wisse ja nie“) durch eine graue Kiste mit Tastatur und 12-Zoll-Bildschirm abgelöst (eine Maus war noch nicht handelsüblich). Das Gerät hatte eine 40 MB-Festplatte und der Verkäufer erläuterte stolz „die kriegen Sie niemals voll“ - gut, damals hatte man auch noch keine digitalen Fotos, von denen ja so 5-10 Stück die Festplatte vollständig gefüllt hätten. Die Anwendung lief unter MS-DOS. Und die Software lief und lief und lief, so dass meine Eltern sich weder umstellen mussten noch wollten.  

Zusammen mit Herrn Hoffmann (dem Ehemann einer damaligen Kollegin meiner Mutter) habe ich die Software noch von Hand auf die fünfstelligen Postleitzahlen (1993, „Fünf ist Trümpf“), das Jahr-2000-Problem“ und auf den Euro (2001/2002) umgestellt. Wir hätten auch noch alles auf IBAN erweitert, wenn es denn erforderlich gewesen wäre, aber erstens gab es keine Internet-Anbindung und somit auch kein Online-Banking, zweitens hat Herr Mues nach der Firmenübernahme ein neues System angeschafft. Ich überlege noch, PC und Software dem Deutschen Museum anzubieten.

Direktentnahme - die Beschaffung von Verbrauchsmitteln

Betreiben die Eltern ein Elektrohandwerk, braucht Sohn sich um so Dinge wie den Ersatz defekter Glühlampen oder leerer Batterien nicht aktiv kümmern. Es liegt ja alles „auf Lager“. Mein erstes eigenes Leuchtmittel habe ich daher folgerichtig auch erst im Alter von 35 Jahren gekauft und war ob des hohen Preises fassungslos und fühlte mich von Saturn total über den Tisch gezogen, weil die für solche Artikel einfach Geld haben wollten. Gleichwohl zahle ich seitdem immer ordnungsgemäß an der Kasse (ist ja auch einfach alles sehr gut bewacht dort). Bei einem Strafverfahren wegen Diebstahls könnte ich allerdings sicher auf meine diesbezüglichen Erlebnisse in meiner Kindheit verweisen und würde sicher freigesprochen.

Telefonische Erreichbarkeit oder „die doppelte Ansage“ 

Wer seine Kindheit in den 1970er-Jahren verlebt hat, kennt das Problem mit dem Fernsehen. Entweder schaute man eine Sendung sofort oder nie mehr, da es weder (bezahlbare) Videorekorder geschweige denn irgendwelche Mediatheken gab. Dass irgendwann alle alten Sendungen noch mal neu verfilmt werden, wusste man ja damals noch nicht. Während einer Kindersendung hatte ich jedenfalls auch den ungeliebten Telefondienst, da meine Mutter einkaufen war. Bei diesem Dienst ging es darum, die Anliegen der Anrufenden kurz aufzuschreiben und ggf. einen Rückruf anzukündigen (heute würde man das „First-Level-Support“ nenne). Also: Meine Sendung lief und dann klingelte es am Telefon. Ich wollte aber nicht telefonieren, sondern weiter fernsehen. Ich nahm also den Hörer ab und imitierte den damaligen Spruch der Deutschen Bundespost: „Dütt Dütt Dütt. Kein Anschluss unter dieser Nummer“. Danach legte ich auf. Problem gelöst. Zunächst jedenfalls. Komischerweise meldete sich der Kunde später noch einmal bei meiner Mutter, er fand meine Gesprächsführung zwar insgesamt kreativ, führte sich aber nicht richtig ernst genommen oder gut betreut (was macht der denn bitte heute im Zeitalter von Warteschleifen?.  

Für mich gab es später dann auch noch eine Ansage. Von meiner Mutter. Über Art und Inhalt möchte ich hier nichts sagen, nur soviel: Ich habe es nie mehr wieder so gemacht. 

Hast du mal ein Fondue?

Früher wurde nicht direkt alles weggeworfen, sondern auch mal repariert. Besonders in Erinnerung ist mir ein Heiligabend, an dem ein Nachbar um 19 Uhr klingelte und meinen Vater fragte, ob er „mal eben“ das elektrisches Fondue des Nachbarn  reparieren könne. Die Familie habe entsprechend geplant und könne jetzt nicht essen und alle Läden seien ja zu. Mein Vater verspürte allerdings wenig Lust, den Heiligabend mit der Reparatur eines Elektrogerätes zu verbringen und handelte pragmatisch, in dem er unser Fondue mit den Worten „Wir brauchen das eh nicht dieses Jahr, bringen sie es nächstes Jahr zurück, aber bitte gereinigt“ abgab. Ob es zur Rückgabe kam und wie das Gerät aussah, weiß ich nicht mehr. Genau genommen kann ich mich gar nicht mehr erinnern, jemals danach wieder in familiärer Runde Fondue gegessen zu haben.  Aber „Geben ist ja seliger denn Nehmen“, nicht nur zur Weihnachtszeit. 

Großmütter

Einen sehr maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Firma hatten auch meine beiden Großmütter. Zwar offiziell in Rente, fing die Arbeit für beide erst nach Renteneitritt so richtig an. Fünf Tage die Woche „Familiendienst“, wenig Urlaub, kein Mindestlohn, kein Betriebsrat. Für mich war der familiäre Einsatz ein Glücksfall, denn Großeltern erlauben alles, was sie als Eltern verboten haben. Hinzu kamen ihre Fähigkeiten am Herd und Backofen. In einem Zeugnis meiner Mutter hätte da wohl eher etwas von „stets bemüht“ gestanden (ich darf das sagen, weil meine Mutter damit auch hätte gut leben können und sich der Ehrgeiz in diesem Bereich in Grenzen hielt). Beide Omas erfüllten da jedoch meine Erwartungen stets zur vollsten Zufriedenheit. Gut, kein Gericht von ihnen hätte es in einen Ratgeber für „gesunde Ernährung“ geschafft und auch vegetarische oder vegane Gerichte brutzelten da eher nie im Topf. Aber geschmeckt haben Braten, Klöße und viel Sauce immer.   

Die neue Halle in der Hedwigstraße…

Im Jahre 2010 zog die Firma in die neue Halle an der Hedwigstraße um. Außerdem übernahm Herr Mues zu Beginn des Jahres 2011 die Leitung der Firma. Für mich endete damit dann auch im Alter von 42 Jahren die Zeit als „Firmenkind“. Dachte ich. Ein paar Jahre später lag ich im Krankenhaus und mein Zimmernachbar fragte direkt, ob ich „was mit diesen orangefarbenen Autos“ zu tun habe. Die (die Autos?) hätten da neulich was bei ihm gemacht. Ich wurde nervös. Denn wenn da – nur theoretisch angenommen – etwas nicht 100 % erledigt worden wäre, hätte ich mir das dann paar Tage anhören können, ohne eine Fluchtmöglichkeit zu haben – mit Tropf läuft es sich ja so schlecht. Dann die Erleichterung: Alles super gelaufen, tolle Mitarbeiter und keinen Dreck hinterlassen. Puh, die Genesung konnte beginnen! 

Intimer Kundenkontakt

In den 1980er-Jahren hatte ein Kunde in seinem Mehrfamilienhaus eine Wohnung an Damen vermietet, die zwar da Betten stehen hatten, aber doch nicht in der Wohnung gewohnt haben, dort aber gleichwohl Männern sehr körpernahe Dienstleistungen gegen Geld angeboten haben.

Eines Tages ging dort ein Nachtstromspeicher kaputt und nur körperliche Wärme reicht im Winter ja nun auch nicht aus, um für ein befriedigendes Umfeld zu sorgen. Mein Vater nahm sich der Sache (also der Reparatur!) an und parkte seinen Firmenwagen unmittelbar vor dem Haus. In der Zeit seines Aufenthaltes riefen zahlreiche besorgte Freundinnen bei meiner Mutter an, um auf den besonderen Aufenthaltsort meines Vaters hinzuweisen. Meine Mutter stellte klar, dass es sich um eine dienstliche Angelegenheit handele und in jedem Fall eine Rechnung erstellt werde und keine Verrechnung mit anderen Dienstleistungen vorgesehen sei.  

Der Junge braucht einen Job!

Da mir früh klar war, dass mir jedes Talent für einen Handwerksberuf fehlt, musste ich mir nach meinem Abitur eine andere Tätigkeit suchen. In einer Art jugendlicher Naivität bewarb ich mich daher beim Finanzamt Dinslaken. Das Gespräch lief ganz gut, gleichwohl wurde ich am Ende gefragt, warum man sich als Sohn eines Handwerksmeisters beim Finanzamt bewirbt, wo man doch sicher seit frühester Jugend gehört habe, wie schlimm es sei, Steuern zu zahlen. Ich (schon damals sehr vorlaut) fragte, ob der Fragesteller nicht auch lieber keine Steuern zahlen würde und ergänzte, wenn er Beweise gegen meine Eltern hätte, solle er diese auf den Tisch legen oder für immer schweige. Nach dem Gespräch passierten zwei bemerkenswerte Dinge. Ich bekam eine Zusage (welche ich aber dann doch nicht wahrgenommen habe) und meine Eltern bekamen einen Termin für eine Betriebsprüfung. Letzteres war sicher nur Zufall.

Wann ist ein Kunde ein (guter) Kunde - aus Kindersicht

Als Kind bemisst sich die Beliebtheit von Kunden nicht nach der Zahl der erteilten Aufträge (später natüüüüüürlich auch nicht). Es stehen eher sehr egoistisch Überlegungen im Vordergrund. Ein nächtlicher Ausfall eines Ofens in einer Bäckerei bedeutete zwar eine Nachtschicht für den Vater, mir aber brachte sowas morgens frische Brötchen. Ein guter Start in den Tag. Jedenfalls für mich.

Sehr beliebt war auch ein Kunde, der Verbindungen zum Chips-Hersteller „Funny Frisch“ hatte. Eine technische Störung im Haus dieses Kunden dort brachte immer ein gutes Sortiment an Knabberzeug.

Du sollst nicht lügen, aber…

Verlassen die Eltern morgens das Heim, um irgendwo irgendwelchen Berufen nachzugehen, können sich Kinder oft nicht vorstellen, was die den ganzen Tag so machen. Bei mir war das anders, ich war sozusagen immer mittendrin statt nur dabei. Von klein auf hatte ich Kontakt zu Kundinnen und Kunden, Vertretern, Lieferanten und natürlich auch zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (s. auch Buchstabe „Z“). Das ist spannend, verschafft aber auch in jungen Jahren viele Lerneffekte.

Meine Eltern hatten eine Kundin, nennen wir sie mal völlig wahllos Frau Ü, die bei der Auftragserteilung stets diverse Sonderwünsche äußerte und in der Diplomatie wohl als „schwierige Person“ bezeichnet würde. Bei meinen Eltern lautete die Bezeichnung schlichtweg „die nervige Frau Ü“. Jedenfalls rief die Dame mal an, ich ging an das Telefon und meine Mutter sah mich an und fragte, wer denn dran sei, woraufhin ich zutreffend sagte „die nervige Frau Ü“. Stille in der Leitung war die Folge.

Ich weiß nicht, wie meine Mutter es geschafft hat, dass die Kundin der Firma noch lange gewogen blieb und selbst einräumte: „Naja, manchmal bin ich ja auch echt schwierig“.

Danach schloss sich ein familiäres Gespräch an, in dem meine Eltern mir sagten, man solle zwar nicht lügen, aber man müsse auch nicht alles weitersagen, was so intern gesprochen wird. Ein Hinweis, der mir bis heute im Umgang mit „schwierigen“ Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten hilft. Insoweit: Danke Frau Ü!

Messe

So ab 1986 ging Elektro van de Loo sogar auf Deutschland-Tour. Also jetzt nicht als Boygroup. Für einen Kunden wurde bei Bedarf ein Messestand auf Technik-Messen aufgebaut. Hannover, München, Hamburg und nicht zu vergessen Dortmund. Man kam schon rum. Ab und an war ich auch dabei. Eigentlich eine schöne Sache, die Spesen waren für einen damals 18-jährigen mehr als ausreichend um auch mal im Hofbräuhaus einen netten Abend zu verleben. Klar war das ganz schön viel Arbeit und einmal mussten wir Schäden am Stand mangels Farbe mit flüssigem Tipp-Ex ausbessern (räumt nicht wirklich). Da ich aber meistens die Computer verkabelt habe, kam ich um echte Arbeit gut herum. Ich erinnere mich noch an einem großen elektronischen Schrank, der die Größe eines Getränkeautomaten am Bahnhof hatte und in seiner Funktion heute vermutlich durch eine App im Handy ersetzt werden könnte. Zwischenmenschlich war es auch interessant. In Hannover war gegenüber ein Stand eines italienischen Lampenherstellers mit sehr netten Messedamen.  (sagte ich schon, dass die wirklich sehr nett waren?). Interessant auch die Aufgabenverteilung. Während bei unserem Stand die Messe-Hostessen erst den Dienst aufnahmen, wenn alles aufgebaut und geputzt war (die Fingernägel könnten ja Schaden nehmen), kümmerten sich die Italienerinnen auch um Auf- und Abbau des Standes. So lernte ich schon früh einiges über Frauen und auch kulturelle Unterschiede. 

Nachbarschaftshilfe

Mitte der 1970er-Jahre wurde die Werkstatt auf der Klarastraße erweitert und hierzu ein großer Erdaushub vorgenommen. Ein Bagger war mehrere Tage beschäftigt, die Dimension der Maßnahme war für ein Wohngebiet schon ungewöhnlich.  Eine Nachbarin fragte meinen Vater, ob er da was neu baue, was mein Vater mit einem „nein, wir haben damals beim Hausbau einen Zollstock vergessen, den brauche ich jetzt“ kommentierte. Man sagt ja, es gäbe keine blöden Fragen, sondern nur blöde Antworten. Aber keine Regel ohne Ausnahme. 

Ohne Erinnerung

Zu „O“ fällt mir einfach keine Erinnerung ein. Machen wir es wie im Fernsehen. Werbung: Gerne möchte ich Sie auf das neu gestaltete Online-Angebot der Firma van de Loo unter xxx.de hinweisen. Schauen Sie mal rein!

Privatsphäre und Pubertät

Home-Office ist ja heutzutage in aller Munde. Für mich ein alter Hut, befand sich das Büro meiner Mutter im Keller unserer Wohnung und war nur durch eine offene Treppe getrennt. Mag das alles in jungen Jahren noch praktisch gewesen sein, wurde das Ganze in der Pubertät zum Problem, insbesondere, weil es ja auch noch keine tragbaren Telefone gab und man im Büro alles mithören konnte (und wollte) was oben so gesprochen wird. Erschwert wurde das ganze noch durch den Satz meiner Mutter „ich höre ja auch nicht zu“.  Intime Telefonate (oder was man in der Pubertät dafür hält) waren mir somit nur in Abwesenheit meiner Mutter möglich. Diese Erfahrungen sind jedoch heute hilfreich. Ich bekomme keinerlei Panik, wenn im Internet wieder irgendwelche persönlichen Daten ausgeguckt werden, da dies für mich gleichfalls ein alter Hut ist. 

Quartalsabschluss oder „kreative Buchführung“

Was heutzutage die schwarze Null, war für meine Mutter stets eine vollständige und stimmige Buchhaltung: ein mantra-gleiches, unverrückbares Ziel Einmal, ich mag so 6 Jahre alt gewesen sein, fehlte ihr ein Pfennig im Quartalsabschluss. Alles wurde noch mal durchgerechnet und verglichen. Nix war zu finden. Mein Vater, eher pragmatisch und kein fanatischer Anhänger von Datev und Co., legte ihr einen Pfennig auf den Schreibtisch, ergänzte ein „stimmt so“ und fragte, ob man denn jetzt essen gehen könne.

Rechtschreibung, alte, neue und „gans“ neue

Anfang der 1980er wurden drei neue Firmentransporter angeschafft. Orange, in den Firmenfarben und natürlich mit diversen Beschriftungen über die angebotenen Dienstleistungen, so auch mit dem Wort „Antennentechnick“.

Ich war bei der Auslieferung dabei und schaute das Wort schon irritiert an, wollte mich aber nicht blamieren und blieb erstmal ruhig. Zu Hause im Wörterbuch fand ich dann Gewissheit: Das „c“ war zu viel. Umlackieren ging jedenfalls nicht mehr und so fuhren jahrelang falsch beschriftete Firmenfahrzeuge durch die Stadt.

Erstaunlich übrigens, dass viele Menschen bei meiner Mutter angerufen haben, um diesen Fehler zu melden (nicht nur Deutsch-Lehrer übrigens!). Den nicht wenigen Anrufern, die zwar schlau, aber nicht Kunde waren, gab meine Mutter den Tipp, gerne auch bei elektrischen Störungen noch mal anzurufen, denn sowas werde fehlerfrei behoben. Heute würden die Busse sicher auf Facebook 1000x geteilt und ein absoluter Werbebringer.   

Statistik

Zahlen sind wichtig! Gerne hätte ich an dieser Stelle ausgeführt, wie viel Meter Leitung die Mitarbeiter der Firma van de Loo in den letzten 50 Jahren verlegt, wie viele Schaltungen verdrahtet oder wie viele Schlitze gestemmt worden sind.

Aber da die Firma ja bereits 1970 gegründet worden ist, stehen solche Zahlen nicht zur Verfügung. Gut, zu den gestemmten Schlitzen kann ich 2 Meter aus eigner Erfahrung beitragen, danach war ich allerdings auch kaputt.

Wir arbeiten aber an der Digitalisierung und werden alle Zahlen zum 100. Jubiläum im Jahr 2070 nachreichen. Also, wie man so neudeutsch sagt: Save the Date!

Tu es nicht! Ich als Handwerker…

Wenn Kinder Glück haben, erben sie von beiden Eltern bestimmte Fähigkeiten. So war das bei mir auch. Leider trifft das nicht auf die Weitergabe handwerklicher Fertigkeiten zu. Dies zeigte sich z.B. als ich im Alter von zwei Jahren mit einer Schere in die Fassung einer (angeschalteten) Nachttischlampe gegriffen habe, es aber immerhin überlebte.

Man soll aber sein Schicksal auch nicht zu sehr herausfordern. Zum Glück kenne ich ja eine Elektro-Firma, die sich mit sowas auskennt!

Urlaubsrituale

Urlaub (man kann auch sagen „die Urlaube“) liefen in der Familie immer nach dem gleichen Muster ab. Es ging in den Bayerischen Wald (der Ort musste in 15 Jahren einmal gewechselt werden, weil das Stammhotel einfach geschlossen wurde). Bei der Anfahrt wurde meist ein Halt in Regensburg eingelegt, um noch das Eine oder Andere zu kaufen, einmal sogar Autolautsprecher, die mein Vater noch während der Fahrt auf der Autobahn eingebaut hat. Zur Ehrenrettung muss man sagen, dass er immerhin nicht selbst am Steuer saß und es ohne Musik auch öde war.

Die ersten Urlaubstage stand „Erholung“ auf dem Programm, also wandern (spazieren gehen trifft es eher), Ausflüge und Besichtigungen. Dann folgte eine Phase des Überganges. Im Lokal suchten meine Eltern Ähnlichkeiten zwischen dort anwesenden Gästen und Kunden („sieht die Frau da nicht aus wie die Kundin x mit der Serienschaltung?“. Danach schloss sich eine Inventur der vorhandenen elektrischen Einrichtung an („ist das nicht die neue Lampe der Firma x und was kostet die noch mal im Einkauf?“).

Am Ende des Urlaubs besuchte mein Vater dann noch den ortsansässigen Elektriker und spätestens da war klar: Time to say goodbye!

Ich selbst arbeite ja im Familienministerium des Landes NRW und bin erst kürzlich in Berlin am Bundesfamilienministerium vorbeigekommen. Ich spürte aber keinerlei Drang, mir dort mal die Geschäftsabläufe anzusehen oder zu gucken, wie die so Arbeitsschutz betreiben.    

Verbuchen von Ausgaben - keine Zahlung ohne Beleg

Die jetzt „neu“ eingeführte Bon-Pflicht ist für mich altbekannt. Schon zu Schulzeiten verlangte meine Mutter bei Erstattungen der von mir getätigten Ausgaben für Stifte, Schulhefte etc. immer einen entsprechenden Beleg. Gut, im Schreibwarenladen geht das, aber versuchen Sie das mal 1977 an der Trinkhalle für 20 Bonbons oder bei MC Donalds.

Wie bitte?

Elektro van de Loo hat es (sogar) ins Fernsehen geschafft. Also ins Privatfernsehen, um es mal zu relativieren. In der RTL-Sendung „Wie bitte?“ (lief in den 1990er-Jahren) wurde die Firma einmal im Zusammenhang mit einer zu hohen Rechnung erwähnt. Natürlich nicht wegen einer eigenen Rechnung, sondern als Sachverständiger, ob denn die Rechnung einer anderen Firma wirklich so hoch hätte sein können. (Ergebnis: Nein, hätte sie nicht).

Sollte es bei RTL mal eine Sendung „Deutschland sucht den Super-Handwerker“ geben, ist ein Fernseh-Comeback von Elektro van de Loo bereits in Planung! 

X-MAS (also ehemals „Weihnachten“)

Weihnachten kam seit je her überraschend. Hinzu kam ein deutlich stärkerer Ladenschluss als dies heute der Fall ist. Heiligabend, 14.00 Uhr, alles zu. Erschwerend kam hinzu, dass die damaligen Lichterketten für Weihnachtsbäume so gebaut waren, dass jedes einzelne Licht funktionieren musste. Fehlte eine Kerze oder war sie defekt, verweigerte die ganze Kette den weihnachtlichen Glanz. Für mich begründeten diese beiden Umstände ein ganz eigenes weihnachtliches Ritual:

Verzweifelte Kunden, Nachbarn, Freunde klingelten ab 14.00 Uhr und fragten nach Ersatzkerzen für die jeweiligen Ketten. Ich hatte mir schon eine große Sammlung der gängigen Größen und Farbtöne zurechtgelegt und konnte so schnell helfen. Und da ja Weihnachten war, gab es die Artikel auch kostenlos. Ich denke, dass ich so manches Fest  und auch manche Ehe gerettet habe.  

Aber Weihnachten besteht ja nicht nur aus der Lichterkette am Baum. Am ersten Weihnachtstag kamen dann verzweifelte Eltern, die Batterien für das neue Spielzeug der Kinder benötigten. Auch da war ich mit verschiedenen Modellen am Start.

Vermutlich hätten gerissene Geschäftsleute an den beiden Tagen durch diese Notlagen so viel Geld verdient, wie sonst im ganzen Jahr. Für mich ist jedenfalls klar, warum z.B. der Drogeriemarkt in Duisburg am 1. Weihnachtstag bereits um 9.00 Uhr öffnet.

YPS-Hefte oder auch Beschaffungskriminalität

In meiner Kindheit gab es die vielleicht noch bekannten YPS-Hefte, inhaltlich ein Comic-Heft mit kleineren Spielsachen aus Plastik (z.B. Dinge wie das Um-die-Ecke-guck-Fernrohr, einen eckigen Globus oder den legendären Eier-Baum). Meine Eltern weigerten sich allerdings, mir für so einen Schwachsinn (sie nutzen ein anderes Wort mit Sch..) Geld zu geben. Da mein Taschengeld nicht ausreichte, musste ich mir zusätzlich Geld beschaffen. Auch wenn es natürlich ein Vorurteil ist, dass Handwerker nach Feierabend stets Bier trinken, war in der Werkstatt jede Woche ausreichend Leergut vorhanden, um die 1,50 DM für das Heft zusammen zu schleppen. Heute weiß ich natürlich, dass es sich letztlich um Diebstahl handelt, da das Leergut ja den Mitarbeitern gehört hat. Aber ich war unter 14 (und somit nicht strafmündig) und brauchte das Geld!

Alles hat seine Zeit

Die Zeiten ändern sich und oftmals hängen die Folgen eines Ereignisses auch von den jeweils bestehenden Gesamtumständen ab.  

So war es auch bei meinen ersten Kontakten mit Herrn Mues, den ich so Mitte der 1970er-Jahre kennenlernte. Ich hatte mir einen gewissen Spaß daraus gemacht, seinen Nachnamen immer mit einem „ü“ auszusprechen, weil es ja z.B. bei Moers auch so gemacht wird. Als ich es wieder tat, obgleich mich Herr Mues schon mehrfach auf den Fehler aufmerksam gemacht hat (oder gerade  deshalb?) geschah es: Herr Mues stieg aus dem Bus und zog an meinen Ohren, verbunden mit einem erneuten Hinweis auf die richtige Aussprache seines Nachnamens. Es tat weh. Sehr weh. Ich ging also zu meiner Mutter und beschwerte mich. Sie sagte, ich sei sicher wieder frech gewesen, sie habe jetzt andere Dinge zu tun und ich solle bedenken, dass ich ohne den Einsatz von Herrn Mues und seinen Kollegen irgendwann keine Nutella auf dem Brot mehr haben werde. Punkt. Ende.

Stellen wir uns diese Szene mal im Jahr 2020 vor: Eine sehr besorgte Helikopter- Mutter würde sofort zum HNO-Arzt fahren, die Ohren des Kindes untersuchen lassen, dann beim Kinderpsychologen vorstellig werden, um so seelische Grausamkeiten für den sicherlich hochbegabten Nachwuchs zu vermeiden.

Das Arbeitsverhältnis mit Herrn Mues würde sofort wegen des gestörten Vertrauensverhältnisses gekündigt. Es gäbe ein Strafverfahren wegen schwerer (!) Körperverletzung und die Verpflichtung zur Zahlung eines lebenslangen Schmerzensgeldes. An eine Firmenübernahme wäre jedenfalls nicht zu denken und wir wären alle heute nicht hier. 

Man sieht; Alles hat seine Zeit. Ich wünsche Herrn Mues und der Firma van de Loo in diesem Zusammenhang weitere erfolgreiche Jahre, mit Augenmaß für die stets richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit, mit vielen zufriedenen Kundinnen und Kunden und engagierten und zufriedenen Mitarbeitenden (man beachte die Genderform)! Also, angesichts der heutigen Kulisse: Glueck auf!

Herr Mues und ich duzen uns übrigens inzwischen, so dass jede Gefahr weiterer (!) Übergriffe für mich ausgeschlossen ist.

Es hat mir Spaß gemacht, mich an einige Dinge (wieder) zu erinnern und auf eine persönliche Zeitreise zu gehen.  Im Internet habe ich dazu ein passendes japanisches Sprichwort gefunden: „Gute Erinnerungen tragen das Leben“.

Elektro van de Loo
Hedwigstraße 32
46537 Dinslaken

Montag-Donnerstag: 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Freitag: 8:00 Uhr bis 14:00 Uhr

Tel.: 02064 - 70272
Notdienst: 0157 - 85564801
Fax: 02064 - 776064
Email: info@elektro-vandeloo.de

meisterwerk niederrhein